7. April 2026
Segeln mit Behinderung
Es freut mich sehr dein Interesse an einem Urlaub der besonderen Art geweckt zu haben. Vorab jedoch entschuldige ich mich für das unter Seefahrer und Freunden vertraute „DU“.
Es ist verständlich, dass zum Thema Segeln für Menschen mit besonderen Herausforderungen viele Fragen offen sind. Einige davon versuche ich mit diesen Zeilen zu beantworten.
Auf nachfolgende Themen werde ich hier näher eingehen.
- Anforderungen – Wer kann mitgenommen werden
- Was ist zu bedenken
- Welche Risiken entstehen
- Werde ich verhungern
- Wie erfolgt die An- und Rückreise
- Benötigte Reisepapiere
- Mein Gepäck
- Beim Schiff angekommen – was nun
- Wohin geht die Reise
- Werde ich seekrank
- Der Tagesablauf auf einem Segelschiff
- Details zum Schiff
- Segeln mit Behinderung – wie kann das funktionieren
- Wer ist der Skipper und was befähigt ihn
- Attraktionen, Besichtigungen und Sehenswertes
- Anmeldung, Kosten
Punkt 1 – Anforderungen – wer kann mitgenommen werden
Der Aufenthalt auf einem Segelschiff ist etwas anspruchsvoller als in einem Hotel. Hier ist alles etwas anders, ein Schiff bewegt sich mit den Wellen. Nein, es wackelt nicht und nein, es kann nicht umkippen. Trotzdem ist eine gewisse Bewegungsfähigkeit von Nöten. Ein Rollstuhlfahrer an Bord – hatte ich vor 5 oder 6 Jahren – grundsätzlich kein Problem. Ein Rollstuhlfahrer benötigt jedoch andere bewältigbare Hilfestellungen und Unterstützungen.
Unsere Gäste müssen eigenständig gehen können und in der Lage sein, vom Cockpit (Oberdeck über einen 4 bis 5stufigen Stiegenabgang in den Schiffskörper (Küche, Schlafzimmer, Salon, Toilettenanlagen) zu gelangen. Selbstverständlich helfen wir dabei.
Schwimmen: Ja wir sind am Wasser. Niemand muss, aber jeder kann im Meer baden. Nichtschwimmer haben grundsätzlich Angst vor dem ihnen unbekannten Element „Wasser“.

Punkt 2 – was ist zu bedenken?
Für jemanden der das Leben an Bord einer Segelyacht nicht kennt, wird es sicher viele Fragen geben. Einige will ich jetzt aufklären.
- An Bord einer Segelyacht gehen die Uhren einfach anders. Der Stress des Lebens steht schlagartig still. Probleme und Herausforderungen die man an Land hat, verlieren sich hier
- Gesundheitliche Beeinträchtigungen verschwinden in den Hintergrund – jeder Teilnehmer erlebt sein persönliches Abenteuer
- Ich selbst finde segeln ist Medizin
- Und NEIN, wir segeln keine Regatta. Wenn der Wind in Richtung und der Stärke nach passt werden die Segel gesetzt. Lässt der Wind vollständig aus oder bläst er einmal zu stark springt der Schiffsdiesel ein.
- Und JA, auch in Süddalmatien kann das Wetter mal nicht mitspielen. Dann besuchen wir Split oder Trogir und machen uns einen schönen Hafentag.
Punkt 3 – welche Risiken entstehen
Das ganze Leben ist ein Risiko – niemand von uns wird´s überleben.
Ein Schiff mit 14 bis 16 Meter Länge (immer verschieden – abhängig vom Charterangebot) birgt je nach Verwendungszweck ebenfalls Risiken. Es ist verständlich, dass beim sportlichen Regattasegeln das Risikopotenzial höher ist. Aber wir segeln keine Regatta. Wir segeln einfach von Bucht zu Bucht und lassen es uns gutgehen. Am Griller brutzeln Cevapcici, jeder der möchte kann baden.
Sind wir „unter Motor“ unterwegs, können unsere Gäste das Steuern des Schiffes übernehmen. (Nur keine Angst, ich bin immer dabei und daneben)
Punkt 4 – werde ich verhungern
Nein – vermutlich nicht. Veronika, welche uns als einer der Betreuer begleitet, fungiert am Schiff als Smutje (der Koch ist eigentlich der Chef an Bord) und zaubert das Frühstück. Entweder kochen wir an Bord selbst oder lassen uns in einer urigen Konoba verwöhnen. Nachdem am Schiff der Hunger größer ist als an Land (Landratten werden diesen Zustand vermutlich nicht kennen) werden wir zielgerecht dagegen mit ausreichendem Frühstück, Vormittagsjause, kleinem Mittagessen, nachmittags – Früchte mit Schinken oder ähnliches, vorgehen. Zum Abendessen heizen wir den Grill an oder beglücken einen Wirten.
Punkt 5 – Wie erfolgt die An- und Abreisereise
Dies zu beantworten ist immer abhängig vom Zweck der Reise, dem Veranstalter und vieles mehr. Frag mich einfach.
Als Beispiel - Reise über den Verein Pilgrim: In diesem Fall befinden sich Veronika und ich bereits am Schiff, kaufen ein und bereiten alles vor. Du wirst von einem weiteren Betreuer, der die Anreise mit einem der Pilgrim-Busse organisiert, am Anreisetag abgeholt und zum Schiff gebracht. Dieser Betreuer wird uns dann auch am Schiff begleiten, die Crew vervollständigen und dich schlussendlich wieder nach Hause bringen.
Die Abfahrt am Anreisetag dürfte so ca. zwischen 06 und 08:00 Uhr erfolgen. Die Fahrtzeit nach Trogir dauert ca. 7 Stunden plus Pausen. Kostengünstige Flugarrangements behalten wir im Auge.
Punkt 6 – benötigte Reisepapiere
Kroatien ist Mitglied der EU – trotzdem ist ein Reisepass bzw. ein Personalausweis mitzuführen. Zur hafenbehördlichen Anmeldung am Schiff benötige ich vorweg eine Kopie eines Reisedokuments.
Mitnahme der Ecard, eine Aufstellung und Mitnahme der benötigten Medikamente, bestehenden Allergien und Essensunverträglichkeiten
Punkt 7 – Mein Gepäck – was muss ich mitnehmen
Das Wichtigste vorweg. KEINE KOFFER – Wer mit Koffer anreist, der geht über Bord . Reisetasche, Rucksack, IKEA-Einkaufstasche, alles geht – nur der Koffer nicht. Verstehe bitte, einen Koffer kann ich nicht verstauen.
Mitzunehmen sind: Sonnencreme, Bade- und Freizeitbekleidung, Trainingsanzug, einen wärmeren Pullover, Windjacke, Kappe u. Haube. Alles weitere besprechen wir bei der gemeinsamen Vorbesprechung.
Punkt 8 – Beim Schiff angekommen – was nun
Die Fahrt war anstrengend – alle sind froh, sich jetzt erstmal die Beine vertreten zu können. Nachdem am Dienstagnachmittag fast kein Charterbetrieb in der Marina herrscht, sind wir einer der wenigen Gäste ab 15 Uhr im Marina Restaurant. Nach dem ersehnten Espresso geht wer will in den Pool. Danach wird das Gepäck der Mitsegler im Schiff verstaut und die Kabinen zur Einzelbenutzung zugewiesen.
Nach der Sicherheitserklärung und der Anpassung der Schwimmwesten legen wir ab und steuern nach nur wenigen Minuten Fahrt einen Ankerplatz auf der Insel „Ciovo“ an. Dort verbringen wir die erste Nacht vor Anker. Jeder Mitsegler hat nun Zeit, sich an die leichten Schiffsbewegungen zu gewöhnen und von Piraten und Meerjungfrauen zu träumen. Das Abendessen erfolgt am Schiff.
Punkt 9 – Wohin geht die Reise
Unser Heimathafen ist die Marina in „Kastel“, zentral zwischen den historischen Städten Trogir (7km) und Split (5km) gelegen.
Unser Kurs ist wetter- und windabhängig. Wir segeln zu den Inseln Ciovo, Drevnik, Solta und Brac und befinden uns immer im Nahbereich des Heimathafens und können diesen innerhalb von 2 Stunden zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichen.
Punkt 10 – Werde ich seekrank
Ja möglich, aber ich denke nicht. Seekrankheit wird vom Kopf gesteuert. Der Skipper trägt meist die Hauptschuld am Entstehen dieser Situation durch Überlastung und Überforderung der Mannschaft sowie durch Seegang. Auf all meinen Reisen als Skipper - und es waren sehr viele, wurde mir nur ein einziges Mal eine mir anvertraute Person seekrank – und die hat genau das nicht getan, was sie tun sollte. Naja passiert, habe ihr beim Erbrechen die Haare zurückgehalten.
Sollte dies trotzdem einmal passieren, niemand ist gefeit davor, habe ich geeignete Medikamente dabei. Und bei einem Landgang ist jede Seekrankheit innerhalb von Minuten vorbei.
Punkt 11 – Der Tagesablauf auf einem (unserem) Segelschiff
Bei mir am Schiff herrscht „demokratur“. Alle können sagen was sie wollen – getan wird das was…..! Ganz so ist es zwar nicht. Aber sobald das Schiff abgelegt hat, gilt sicherheitstechnisch nur mein Wort.
Ansonsten ist es immer locker und gemütlich. Aufgestanden wird, wenn jeder ausgeschlafen ist. Nach dem Frühstück besprechen wir das Tagesziel und die Wünsche der Mitsegler. Der Anker wird eingeholt und wir segeln der Sonne entgegen. Wir stoppen in traumhaften und glasklaren Buchten, baden und lassen uns weitertreiben. Die Hängematte und diverse Schwimmkörper im Wasser sind begehrte Utensilien. Irgendwann treibt uns der Hunger zum Kühlschrank und zu einer Jause z.B. Früchte oder Melone mit Schinken. Eine Espressomaschine versorgt die Kaffeejunkis. Die Crew entscheidet wie der Tag weitergeht. Gekocht wird zum Teil in der Bordküche (Gasherd mit Backrohr) Hausmannskost – jeder kann mithelfen oder sich einfach nur bewirten lassen. Der Abwasch erfolgt gemeinsam.
Punkt 12 – Details zum Schiff

Wir chartern (mieten) eine hochseetüchtige und vollausgestattete Segelyacht in der Größe von 14 bis 16 Meter Länge und 4,5 bis 5 Meter Breite mit 4 Doppelbettkabinen und einer Stockbettkabine. Die Pantry (Küche) bietet fast alles was du zu Hause auch gewohnt bist. Der Geschirrspüler fehlt. Kühlschrank, Geschirr, Besteck, Teller, Töpfe – alles ist in ausreichender Größe und Zahl vorhanden. Zwei Duschen und drei Toiletten befinden sich unter Deck. Eine weitere Dusche (ebenfalls Warm- und Kaltwasser) befindet sich am Heck des Schiffes. Im Salon, dem Wohnzimmer, ist Platz für bis zu 10 Personen. Ähnlich Platz ist auch am Oberdeck mit gepolsterten Sonnen- und windgeschützten Sitz- bzw. Liegeflächen. Wir haben Strom, Licht und bei Bedarf Heizung und Klimaanlage.
Das Übernachten vor (am) Anker ist einer der vielen Highlights die vor uns liegen.
Punkt 13 - Segeln mit Behinderung – wie kann das funktionieren
Ganz gleich wie das Reisen mit Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen. Jeder Mitsegler kann am Schiff selbst Hand anlegen. Gewisse Aufgaben werden von der Stammcrew und von mir erledigt. Ansonsten ist jeder einzelne Mitsegler wichtiger Teil der Crew.
Wird das Schiff bewegt, ob gesegelt oder mit Motor werden Schwimmwesten getragen. Der Aufenthalt der Mannschaft beim Segeln und bei der Fahrt unter Motor ist im geschützten Bereich des Oberdecks.
Mein Motto: aus Fremden wird eine Crew und aus einer Crew Freunde!
Punkt 14 - Wer ist der Skipper und was befähigt ihn

Darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Herbert Tschemernjak – geb. 1960 - ich arbeite seit 2025 intensiv mit Raphael Eder und dem Verein Pilgrim zusammen. Seit 26 Jahren besegle ich als Skipper das Seegebiet der kroatischen Adria, Türkei und Griechenland. Ich habe mich mehrmals dem Irrsinn von Regatten sowie Offshore Regatten (10 Tage Non Stop von Pula in die Südtürkei) hingegeben. Meine Segelausbildung ist für den Fahrtenbereich 3 (eine Stufe unter der weltweiten Fahrt) angedacht. Ich besitze die internationalen österreichischen wie auch die kroatischen Patente.
Bisher haben sich bei mir als Skipper ca. 14.000 Seemeilen (25.000 KM) angesammelt.
Punkt 15 - Attraktionen, Besichtigungen und Sehenswertes
Wir befinden uns in Süddalmatien, sehr nahe der historischen Hafenstädte Trogir und Split. Ein Landausflug mit dem Pilgrim Bus zu einer der Touristenattraktionen ist angedacht.
Punkt 16 – Anmeldung und Kosten/Taschengeld

Derzeit bieten wir nur Reisen über den Verein "PILGRIM" an. Die Anmeldung erfolgt wie immer direkt bei Raphael Eder. eder@pilgrim.or.at Die Kosten dieser Reise betragen € 2.500,- (Anzahlung - 50% bei Buchung – Restzahlung 45 Tage vor Antritt der Reise) pro Person bei drei Teilnehmern. Ich empfehle die Mitnahme eines kleinen Taschengeldes für Eis, Erinnerungen oder Sonstiges.
Anmerkung: Es ist angedacht, dass die Segelreise im September 2026 unter der Schirmherrschaft und persönlichen Begleitung von Raphael Eder erfolgt.
- Es wird mit allen Teilnehmern, den Angehörigen und den mitreisenden Betreuungspersonen eine gemeinsame Vorbesprechung geben.
- Rasch anmelden. Es sind pro Turn nur max. 3 Plätze frei
- Will jemand seinen betroffenen Angehörigen bei dieser Reise begleiten, sag es mir einfach. Wir reden drüber
Ich hoffe, dir einen kleinen Überblick verschafft zu haben und verbleibe
Euer Skipper - Herbert Tschemernjak – 0664/370 13 10
